Der „Angststreifen“

Ich denke, dass mittlerweile jeder dazu bereits die eine oder andere Diskussion geführt hat. Die einen sehen es als großes Sicherheitsplus, wenn der Reifen komplett bis an die Kante gefahren wird. Andere glauben einfach, das ist nur wichtig für Menschen die am Bikertreff oder der Eisdiele die Mitmenschen beeindrucken wollen. Und es gibt natürlich auch noch zig Meinungen dazwischen.

 

  • Ist ein Angststreifen ein Sicherheitsrisiko?

Kurze Antwort nein, allerdings gibt es ein großes aber. Grundsätzlich ist der „Angststreifen“ kein Sicherheitsnachteil. Allerdings nur dann, wenn du es durch Erfahrung und Können schaffst in einer Gefahrensituation diesen auch zu nutzten. Weil du zum Beispiel einem Hindernis in oder nach einer Kurve ausweichen musst, und dazu eine tiefere Schräglage nötig ist. Diese Fähigkeit erfordert einiges an Übung, da wir im Normalfall eher Bremsen würden als uns tiefer in Schräglage zu legen. Dann entsteht aber genau das Gegenteil, das Motorrad stellt sich auf und wir kommen nicht am Hindernis vorbei. Oder wir Stürzen weil wir zu stark bremsen und dadurch des Vorderrad einklappt.

Wenn du aber permanent am Limit des Reifens unterwegs bist, kannst du dich auch nicht mehr weiter in Schräglage begeben, da du dann einfach wegrutschen würdest. Daher macht es durchaus Sinn sich selbst immer einen Sicherheitspuffer einzuräumen, auch wenn sich dieser vielleicht als breitere „Angststreifen“ bemerkbar macht. Wichtig ist aber immer diesen so zu wählen, dass du ihn auch nutzten kannst.

 

  • Warum haben manche breitere Angststreifen als andere?

Wenn alle auf dem gleichen Motorrad unterwegs sind und einen identischen Fahrstill haben kommt dies zum Großteil vom Reifen, da jeder Reifen eine etwas andere Kontur hat und natürlich hat auch die Reifenbreite einen großen Einfluss. Typischerweise sind breite Supersportreifen sehr einfach um den Angststreifen los zu werden, da diese meist sehr spitz sind und vor allem in Schräglage mehr Aufstandsfläche bieten sollen, um auf der Rennstrecke möglichst hohen Kurvengrip zu bieten. Schmälere Reifen haben in der Kontur einen engeren Radius, dadurch sind tiefere Schräglagen nötig um diese auf Kante zu fahren. Dabei ist die Aufstandsfläche aber immer geringer als bei breiteren Reifen. Und natürlich macht es einen großen Unterschied ob es sich um Offroad-, Tourensport- oder Supersportreifen handelt. Denn da hat jeder Reifen eine andere Aufgabe, Supersportreifen sollen möglichst viel Grip in höchsten Schräglagen bieten, Offroadreifen sollen auf losem Untergrund für Traktion sorgen und Tourensportreifen sollen auch bei einem vollbeladen Motorrad noch für ein agiles Fahrverhalten sorgen.

Aber auch der Fahrstill hat einen Einfluss darauf welche Schräglage dein Motorrad und damit auch dein Reifen hat. Bei gleicher Kurvengeschwindigkeit hat das Motorrad beim Drücken die höchste und im Hang-off die niedrigste Schräglage. Deshalb ist kann es durchaus passieren das die Reifen unterschiedlich weit rausgefahren sind obwohl alle mit der gleichen Bereifung und gleichen Geschwindigkeit durch die Kurve gefahren sind. Je nachdem wie weit jeder sein Gewicht zur Kurveninnenseite verlagert hat.

 

  • Muss ich meinen Angststreifen weg bekommen?

Nein, musst du nicht. Du wirst sehen mit mehr Erfahrung wird er automatisch immer kleiner. Ob er jemals ganz weg sein wird, ist aber nicht sicher. Und das ist absolut ok. Da es ja mehrere Faktoren gibt, sagt er nichts über dein Können aus. Leider wirst du dafür trotzdem vielleicht den einen oder anderen dummen Kommentar erhalten. Aber wichtig ist nur, dass du so sicher und mit Spaß fährst. Daher versuch nicht mit aller Gewalt die letzten Millimeter auszunutzen, nur weil jemand online behauptet, das Leute mit Angststreifen nicht Motorradfahren sollten. Auch mit Angststreifen macht Motorradfahren eine Menge Spaß.

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